• 30.09.2020
  • Space, Air, Land, Group
  • Media release

Letzte Nutzlastverkleidung «Made in Switzerland» für US-Trägerrakten verlässt RUAG Space in Emmen

Die Antonov An-124, eines der grössten Transportflugzeuge der Welt, hat sich nun das letzte Mal im Auftrag der United Launch Alliance (ULA) von Emmen aus in die Luft erhoben. Im Gepäck: Eine Nutzlastverkleidung von RUAG Space, die für die amerikanische Trägerrakete Atlas V hergestellt wird. Diese wird zukünftig in den USA produziert. Der Standort Emmen bleibt weiterhin das Kompetenzzentrum für europäische Trägerraketen. ...

Mit dem Abflug der An-124 machte sich heute die letzte, in Emmen produzierte Nutzlastverkleidung für die amerikanische Trägerrakete Atlas V auf den Weg zum Weltraumbahnhof in Florida. Bereits seit 2017 werden Komposit-Strukturen für die amerikanischen Trägerraketen Atlas V und die neue Vulcan am amerikanischen RUAG Standort in Decatur, Alabama, produziert. Der Produktionsstandort Emmen bleibt weiterhin das Kompetenzzentrum für die europäischen Trägerraketen Ariane und VEGA. Die Nutzlastverkleidungen in Composite-Technologie werden dort in einer 5000 m2 grossen Produktionshalle in einem modernen, teilautomatisierten Prozess gefertigt. Die für die Nutzlastverkleidung benötigten Kohlefaserstrukturen können dank eines innovativen Prozesses ohne den Einsatz eines Autoklavs gefertigt werden. Nebst den Atlas Trägerraketen fliegen bereits seit 1979 alle bisher gestarteten Ariane-Raketen mit Nutzlastverkleidungen von RUAG Space.

Für Holger Wentscher, Senior Vice President Product Group Launchers bei RUAG Space, ist der letzte Transport der Nutzlastverkleidung für die Atlas V auch ein Abschluss eines wichtigen Projektes für RUAG Space: "United Launch Alliance (ULA) und RUAG Space arbeiten seit mehr als einem Jahrzehnt erfolgreich im Atlas-Programm zusammen. Mit dem Aufbau des Standortes in Decatur konnten wir unsere strategische Partnerschaft mit ULA deutlich stärken. Die Produktion vor Ort schafft nicht nur Kundennähe. Gleichzeitig sind wir in der Lage, unsere Präsenz in den USA weiter auszubauen». 

Millimeterarbeit trotz riesiger Dimensionen

Mit einer Startmasse von über 400 Tonnen und einer Spannweite von 73.30 Metern ist die Antonov An-124 der russischen Airline Volga-Dnepr eines der grössten Transportflugzeuge der Welt und kann eine Fracht von bis zu 120 Tonnen transportieren. Solch ein Gewicht erreicht die Nutzlastverkleidung der amerikanischen Trägerrakete Atlas V zwar nicht, aber aufgrund derer Dimensionen ist der Frachtraum der Antonov An-124 praktisch ausgefüllt. «Für uns war nicht nur die Ankunft des Flugzeugs, sondern auch das Beladen der sensiblen Fracht immer ein besonderes Erlebnis», sagt Jérôme Bonhomme, Project Manager Atlas. Das Beladen der Struktur verlangte zeitaufwendige Millimeterarbeit: «Für den Transport unserer Nutzlastverkleidung benötigen wir fast die gesamte Ladefläche. Das bedeutete, dass wir akribisch auf die Platzverhältnisse achten mussten, damit die kostbare Ladung nicht beschädigt wird. Neben der richtigen Ausrüstung erforderte das viel Fingerspitzengefühl», so Jérôme Bonhomme weiter.

Die Nutzlastverkleidung und ihre Aufgabe

Die Nutzlastverkleidung – die so genannte «Payload Fairing» – macht rund einen Drittel der Gesamtlänge einer Trägerrakete aus. Die Verkleidung befindet sich auf dem oberen Teil der Rakete und besteht aus zwei Halbschalen aus Karbonfaser-Verbundwerkstoffen, die sich im All teilen. Sie schützt die Satelliten vor dem Start vor hohen Temperaturen, Sonneneinstrahlung, Staub, Feuchtigkeit oder Regen am Startplatz. Während der ersten Flugminuten sind es vor allem Lärm, die enorme Reibungshitze und die mechanischen Lasten, vor denen die Nutzlastverkleidung die unter ihr eingekapselten Satelliten zuverlässig bewahren muss.