• 06.05.2020
  • Space, Air, Land, Group
  • Media release

Umbau in globalen Aerospace-Konzern gestartet - Sonderaufwände belasten das Ergebnis

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Der internationale Technologiekonzern RUAG übertrifft im Jahr 2019 erstmalig die 2-Milliarden-Umsatz-Grenze. Dem Umsatz von CHF 2003 Mio. (Vorjahr CHF 1998 Mio.) steht jedoch ein Minus beim EBIT von CHF 7 Mio. (Vorjahr plus CHF 106 Mio.) gegenüber. Ausschlaggebend für das negative Betriebsergebnis waren die Kosten für die Entflechtung und der damit verbundene Entscheid, Teile der internationalen Aktivitäten zu verkaufen. Diese Portfoliobereinigung führte zu Sonder­aufwendungen für das Programm zur Herstellung der Dornier 228. Der Umbau zu einem globalen Aerospace-Konzern macht mit dem Verkauf von Clearswift sowie zwei Schweizer Standorten für zivile Flugzeug­wartung wichtige Fortschritte.

Gesamthaft generierte der Konzern einen Nettoumsatz von CHF 2003 Mio. Bereinigt um Fremdwährungseffekte und Effekte aus Devestitionen entspricht dies einem Umsatzwachstum von 3.4% im Vergleich zum Vorjahr. Der Auftragseingang und der Auftragsbestand hielten sich mit CHF 1893 Mio. (CHF 2221 Mio.) und CHF 1634 Mio. (1794 Mio.) auf einem hohen Niveau. Markant verbessert haben sich die Nettofinanzposition mit CHF 237 Mio. (CHF 134 Mio.) wie auch der Free Cash Flow mit CHF 135 Mio. (CHF 94 Mio.). Diesen soliden Basiskennzahlen steht eine negative Entwicklung des operativen Ergebnisses und Reingewinns gegenüber. EBIT und Reingewinn sanken aufgrund von Sonderaufwendungen auf CHF -7 Mio. (CHF 106 Mio.) respektive CHF -25 Mio. (CHF 74 Mio.).

Eingeschlagener Kurs zeigt Wirkung

Das operative Geschäft verlief 2019 in den Sparten unterschiedlich. RUAG Space, RUAG Ammotec und RUAG MRO Schweiz erzielten Gewinne. Die für den Verkauf vorgesehene Division RUAG MRO International sowie die Division RUAG Aerostructures schrieben jedoch aufgrund von Sonderaufwendungen Verluste. Bei RUAG MRO International ist das negative Ergebnis auf umfang­rei­che Wertberichtigungen und Sonderabschreibungen im Umfang von rund CHF 58 Mio. beim Pro­gramm zur Herstellung der Dornier 228 zurückzuführen.

Im Geschäftsbereich Aerostructures zeigen die gestarteten Restrukturierungsprogramme Wirkung. Die Division konnte den Umsatz dank des Single-Aisle-Programms von Airbus dieses Jahr um 12% (Vorjahr plus 5%) steigern. Wertberichtigungen und Restrukturierungskosten im Umfang von CHF 10 Mio., hauptsächlich bedingt durch das Ende des A380-Programms sowie Restruktu­rie­rungs­kosten für den Flugzeugstrukturbau in Emmen, belasten das Ergebnis. Dazu addieren sich negative Effekte aus der ordentlichen Neubewertung von Pensionskassen­rückstellungen aufgrund des gesunkenen Zinsniveaus in Deutschland (RUAG Ammotec) und in Schweden (RUAG Space und RUAG Ammotec) von insgesamt CHF 16 Mio.

Urs Kiener, CEO a.i., RUAG International, sagte anlässlich der Bilanzmedienkonferenz: „Wir blicken auf ein anspruchsvolles Jahr zurück. Zum ersten Mal hat RUAG die Umsatzgrenze von 2-Milliarden überschritten. Dass wir in einem Jahr der Entflechtung, Transformation und gleichzeitigen Deve­sti­tionen unseren Umsatz steigern und den Fokus auf den Kunden beibehalten haben, unter­streicht insbesondere die Fähigkeiten unserer Mitarbeitenden. Mit einer Nettofinanzposition von CHF 237 Mio. verfügt RUAG zudem über eine stabile finanzielle Basis für die nächsten Schritte auf dem Weg zum Aerospace-Konzern.“

Entflechtung erreicht wichtige Meilensteine

Die vom Bundesrat verlangte Entflechtung von RUAG wurde im Berichtsjahr mit Nachdruck vorangetrieben und RUAG MRO Schweiz hat den Betrieb als organisatorisch eigenständiges Unternehmen wie geplant am 1. Januar 2020 aufgenommen. Im Jahr 2019 sind Organisationsstrukturen für die neuen Einheiten aufgebaut und wichtige Rechtsträger wie die neue Dachgesellschaft BGRB-Holding unter dem Vorsitz von Monica Duca-Widmer gegründet worden.

Mit der Bilanzspaltung, die der Bundesrat am 22. April zur Kenntnis genommen hat und der Überführung der Informatik von RUAG MRO Schweiz in den Sicherheitsperimeter der Führungsunterstützungsbasis der Armee ist die Entflechtung per Mitte 2020 materiell abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt werden RUAG International und RUAG MRO Schweiz nicht nur operativ, sondern auch rechtlich unabhängig voneinander operieren.

Im Rahmen der Portfoliobereinigung wird für alle in RUAG MRO International zusammengefassten Geschäftseinheiten sowie RUAG Ammotec weiterhin ein Verkauf angestrebt. Für die laufende Transformation von RUAG International in einen globalen Aerospace-Konzern sucht der Verwaltungsrat zurzeit eine geeignete CEO-Nachfolge für Urs Breitmeier, der das Unternehmen Ende 2019 verlassen hat.

Der Verwaltungsrat beantragt auf eine Dividendenauszahlung an die Eidgenossenschaft zu verzichten. Diese lag im letzten Jahr bei CHF 30 Mio. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung belaufen sich auf CHF 173 Mio. (CHF 179 Mio.). Die Zahl der Vollzeitstellen sank per Ende Jahr auf 9’091 (9’127). Einerseits nahmen die Stellen durch die erfolgten Devestitionen ab, andererseits führten die Umsatzzunahmen bei Aerostructures, Ammotec und RUAG MRO Schweiz zu einem Aufbau.

Der Anteil der im zivilen Bereich erwirtschafteten Umsätze blieb im Berichtsjahr mit 56% genauso stabil wie der Auslandanteil (63%). Der mit Abstand wichtigste Kunde war mit einem Umsatzanteil von 32% (Vorjahr 30%) das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS).

Ausblick

In den kommenden zwei bis drei Jahren stehen für RUAG zum einen die Transformation in einen globalen Aerospace-Konzern an – mit dem Verkauf der in MRO International zusammengefassten Geschäftseinheiten sowie RUAG Ammotec und der Verschlankung der Support-Funktionen beim Aerospace-Konzern – und zum anderen die Konsolidierung von RUAG MRO Schweiz im Zentrum. Die in 2020 weiterlaufenden Entflechtungs- und Transformationskosten sowie mögliche Auswirkungen der Coronakrise werden einen negativen Einfluss auf die Geschäftsergebnisse sowohl von RUAG International als auch RUAG MRO Schweiz haben.

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